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Michael Frietsch

† verstorben am 12.03.2015

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Mittwoch, 3. Juli 2013, 00:28

RE: ZEG ein geeintes Mitteleuropa: welche Staaten sollten Mitglied werden

Hier können wir uns ja mal Gedanken darüber machen welche weiteren Länder unserer Meinung nach in einer "central european union" Mitglieder werden könnten!
Deutschland, Österreich, Tschechien (Polen, Slowakei ??). Welche Haupstadt könnte es werden, Prag, Wien? Welche Hauptsprache, english, deutsch? Ist das, abgesehen von der Wirtschaft, für die Menschen überhaupt sinnvoll? Muss die nationale Identität aufgegeben werden um eine mitteleuropäische zu schaffen? Ist die Unterteilung Europas in 6 Gliedstaaten überhaupt möglich und nötig? Wirkt unsere gemeinsame Vergangenheit trennend oder vereinend?

Mein erstes vorläufiges, etwas erweitertes Szenario:
Als Mitgliedsstaaten kommen hinzu: Niederlande, Slowenien, Kroatien, Ungarn, Litauen, Lettland, Estland und Finnland. Sprachgemeinschaften außerhalb der Gesamtaußengrenzen der Mitgliedsstaaten erhalten eine Beteiligungsmöglichkeit, die noch näher zu definieren sein wird.
Nicht eine Hauptstadt, sondern mehrere (wie in der EU auch), z.B.: Frankfurt a.M., Danzig, Graz (bewusst keine Hauptstädte der Nationalstaaten).
Gemeinschaftssprachen: Im deutschen Sprachraum vorrangig deutsch, in den anderen Sprachräumen je nach Wahl vorrangig englisch oder deutsch, langfristig vielleicht auch eine neue Gemeinschaftssprache ähnlich dem Esperanto, aber natürlich ohne dessen starke romanische Anteile - vorstellbar wäre ihr Entwickeln aus dem heutigen vielgeschmähten "Denglisch", denn dadurch könnte man auch sehr gut die junge Generation mitnehmen.
Verfasssungsgrundlagen: Man lässt allen Mitgliedsstaaten und -gemeinschaften ihre jeweilige Identität und baut die Gemeinschaft ganz streng nach dem Subsidiaritätsgrundsatz auf: Die Gemeinschaftsebene erhält nur die Angelegenheiten, die von allen Mitgliedern einstimmig auf sie übertragen werden; diese Angelegenheiten stehen dann in einem Zuständigkeitskatalog des Zentraleuropäischen Grundgesetzes (ZEGG). So können nur die Zuständigkeiten auf die Gemeinschaftsebene gehoben werden, mit denen alle Mitglieder einverstanden sind, so dass keines von ihnen überstimmt werden kann und deshalb jedes Mitglied stets die freie Entscheidung darüber hat, welche Souveränitätsrechte es auf die ZEG übertragen will. Alles andere, was nicht in diesem einstimmigen Zuständigkeitskatalog steht, verbleibt uneingeschränkt bei den Mitgliedsstaaten und -gemeinschaften. So kann mit wenigen Gemeinschaftszuständigkeiten begonnen und der Zuständigkeitskatalog danach dann in kleinen Schritten, über die jeweils Einstimmigkeit erzielt werden kann, ausgebaut werden.
Die Mitgliedsstaaten und -gemeinschaften können innerhalb der ZEG auch Sondergemeinschaften bilden, z.B. einen Deutschsprachigen Staatenbund.

Michael Frietsch

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2

Donnerstag, 4. Juli 2013, 23:17

Wobei Finnland doch aber zu Nordeuropa gezählt wird.
Slowenien, Kroatien und Ungarn auch bei Südosteuropa mitgerechnet werden können.
Estland, Lettland und Litauen zu Nord- oder Osteuropa bzw. einer eigenen Baltischen Gemeinschaft.
Je nach Karte.

Jein; das alles ist nur nach geografischen Gesichtspunkten richtig, und die endgültigen Grenzen solcher "Mittelstufen-Föderationen" oder "Regionalgemeinschaften" sollen ja nicht deckungsgleich mit den heutigen Grenzen der Nationalstaaten sein, die bekanntermaßen durch Kriege und reine Machtpolitik entstanden sind und die gewachsenen sprachlichen und kulturellen Einheiten willkürlich zerschnitten und auch zerstört haben.

Genau auf das Ziel, diese "unnatürlichen" Grenzziehungen wieder zu beseitigen und zu den gewachsenen "natürlichen Verhältnissen" zurückzukehren, ist das Vorhaben einer ZEG und anderer Regionalgemeinschaften doch aufgebaut (Stichwort "Wiedervereinigung des deutschen Sprachraums"), oder? Daran ändert sich nichts dadurch, dass wir zum Anfang des Vorhabens natürlich mit den jetzigen Staaten und ihren Grenzen beginnen müssen - aber die Zielvorgaben müssen auf das Umwandeln in die "natürlichen" Verhältnisse ausgerichtet sein. Heutzutage kommen natürlich noch wirtschaftliche Faktoren dazu. Diese haben gerade seit der Euro-Krise dazu geführt, dass über das Bilden vergleichbarer und relativ homogener Untereinheiten nachgedacht wird, z.B. eine "Nordeuro-Zone" und eine "Südeuro-Zone".
Wenn man das alles zusammenbringt, bei den sprachlich-kulturellen Grundeinheiten beginnt und bei den Zielvorgaben die heutigen Wirtschafts- und Strukturniveaus berücksichtigt, entsteht eine Gesamtkonzeption. So gesehen, wäre ich sowieso dafür, dass eine Regionalgemeinschaft aus unserer ZEG und den Staaten des Nordischen Rats (Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen, Island) gebildet wird, denn die würden in ihrer Mentalität am ehesten zusammenpassen und haben auch die am besten vergleichbaren und sich ähnelnden wirtschaftlichen und strukturellen Lebensverhältnisse.

Da das aber vielleicht zu weit in die Zukunft reichen würde, finde ich, dass man mit unserer "guten alten" ZEG-Sprachgemeinschaft beginnen und sie schrittweise so erweitern sollte, wie es in den bereits erstellten Aufbauplänen skizziert ist. Da aber bei den bestehenden Staaten und ihren Grenzen angefangen werden muss, gibt es zwei Handlungs- und Entwicklungsrichtungen, nämlich eine zum inneren Ausbau einer ZEG bis zu den Grenzen des deutschen und niederländischen Sprachraums, wobei natürlich die bestehenden Staatsgrenzen nach und nach pulversiert werden müssten wie schon häufig beschrieben, und eine andere zum äußeren Ausbau der ZEG, dann auch unter Einschluss des westslawischen, ungarischen, baltischen und skandinavischen Raums. An Slowenien, Kroatien und Ungarn denke ich vor allem deshalb, weil dort noch immer Gemeinsamkeiten aus der Zeit der Donaumonarchie bestehen.
Das Ganze lässt sich natürlich dadurch beschleunigen, dass man den um den letzten Jahreswechsel entwickelten Gedanken einer "Sternwanderung" einbezieht, also an mehreren Punkten beginnt, von denen aus das gleichzeitig das Ziel in der Mitte angestrebt wird.

Also: Lass' Du mir die Sprachgemeinschaft als Keimzelle und tobe Dich ruhig bei den Erweiterungskonzeptionen aus! 8o Ich glaube, dass sich unsere in Einzelheiten vielleicht verschiedenen Konzeptionen sehr weitgehend decken, so dass sie gelegentliche Unterschiede ohne weiteres aushalten können, meinst Du nicht auch? :thumbsup:

Michael Frietsch

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3

Donnerstag, 11. Juli 2013, 01:25

Die Zusammenfassung Mitteleuropas unter den Ländern der ehemaligen Donaumonarchie und Teilen der dt. Reichsgrenze von vor 1918, finde ich etwas revisionistisch. Ich weiß ehrlich gesagt nicht was sich die Damen/Herrn der Stagn dabei gedacht haben. Letztlich geht man von einer deutsch geprägten Kultur dieser Staaten/Regionen aus und vergisst deren Eigenheiten/Andersartigkeit ausreichend zu erwähnen.
Selbst im kleinsten Szenario der Stagn (Artikel 3 Bild 3) werden Länder mit insgesamt 11 verschiedene Sprachen zusammengefasst, welche sich vermutlich nicht auf Deutsch als einzige Hauptsprache einigen werden. Aber genau das ist es was wir brauchen, eine gemeinsame Sprache in Mitteleuropa auf welche sich alle Beteiligten einigen müssen. Hier wäre ein etwas verballhorntes bzw. stark ausgebautes (d)english (dein Vorschlag) vielleicht eine Option mit welcher sich auch unsere slawischen Nachbarn anfreunden könnten. Dort bestehe auch die Möglichkeit die Satzstellung des Deutschen und Slawischen mitzunehmen, sodaß diese Sprache für alle leichter zu erlernen ist, Dinge und Zustände präziser ausgedrückt werden können und dennoch eine Verständigung mit dem englishen Sprachraum möglich wäre.
Übrigens einer der ersten Schritte um über die Nationalitäten hinweg eine neue eigene Identität zu schaffen.
.....
p.s. die Aufgabe der Niederlande, Flanderns, Luxemburgs und des Elsass wäre dann geopolitsch nicht die dümmste Entscheidung und würde uns vielleicht auch vor einen Disput mit Frankreich bewahren. Die Schweiz ist, sobald sie Mitglied der EU würde, sicherlich ein anderes Thema. Auch bin ich mir über Eupen/St.Vith und Südtirol nicht ganz im klaren.

Die Schwäche der StAGN-Konzeptionen ist auf den ersten Blick zu erkennen: Sie stellen eine nebulöse "kulturräumliche" Konzeption auf und verbinden sie in der zweiten Version sogar mit den heutigen Staatsgrenzen. Da springt einem sofort ins Auge, wie stark das Denken immer noch auf rein machtstaatliche Gesichtspunkte fixiert ist, und dass die endlich überwunden werden müssen, bedarf eigentlich keiner weiteren Erörterungen mehr.
Man kann es drehen und wenden wie man will: Die sprachlichen Gemeinsamkeiten und Verwandtschaften sind das einzige Einteilungsmittel, das ausreichend konkret ist und gleichzeitig den Anforderungen an Demokratie und den Schutz des Grundrechts auf Muttersprache genügt!

Deshalb: Ausgangspunkt sind und bleiben die Sprachgemeinschaften, auch dann, wenn deren Grenzen nicht mit den heutigen Staatsgrenzen übereinstimmen. Damit beantworten sich auch Deine Zweifel hinsichtlich Südtirols, des Elsass', Luxemburgs und des deutschsprachigen Ost-Belgien wie folgt: Südtirol und Ost-Belgien haben ja bereits einen Autonomiestatus hinsichtlich Sprache und Kultur, mindestens eben einen solchen müssen auch das Elsass und Niederlothringen erhalten. In Luxemburg besteht eine ungefähre Gleichstellung der deutschen, französischen und der neuen letzebürgischen Sprache, und in Belgien haben Flandern und Wallonien ebenso wie die deutschsprachige Gemeinschaft im Osten ebenfalls eine ungefähre Gleichstellung erreicht.
Schlussfolgerungen für das tatsächliche Verwirklichen des ZEG-Vorhabens: Ost-Belgien, Luxemburg, Niederlothringen, das Elsass und auch Südtirol sollten der ZEG angehören, auch wenn sie unter nichtdeutschsprachiger Staatshoheit stehen. Für diese Gebiete ist eine Art geteilter Souveränität anzustreben, nämlich Eigenständigkeit und Vollmitgliedschaft in der ZEG, was Sprache und Kultur angeht; ansonsten verbleibt es bei den bestehenden fremdsprachigen Staatshoheiten. Gleichzeitig ist es das Ziel, diese Autonomierechte der genannten Gebiete schrittweise auch auf außersprachliche Zuständigkeiten auszudehnen, was ganz klar sehr schwierig sein wird und auch ein entschiedenes Auftreten gegenüber den fremdsprachigen Staatsverwaltungen erforderlich machen wird, denn aus reiner Gutmütigkeit werden die keinen Millimeter zurückweichen. Deshalb überlege ich zur Zeit gerade auch, ob ich nicht wiederholte Rundschreiben unter anderem an die deutsche Bundesregierung schicken soll mit dem Anliegen, in der Sprachminderheiten-Politik gegenüber Frankreich und Italien endlich auch mal das Grundrecht auf Muttersprache einzufordern. Wenn Merkel nach Moskau oder nach Peking reist, wird von ihr zurecht verlangt, dass sie die Menschenrechtssituation anspricht; das wäre aber auch besonders gegenüber Frankreich schon längst nötig, denn das ist das einzige Land in Europa, das die Minderheiten- und Regionalsprachen-Abkommen des Europarats noch immer missachtet, obwohl es dem Europarat angehört und immer so stolz auf seine Errungenschaften hinsichtlich Demokratie und Menschenrechten ist - beim Minderheiten- und Regionalsprachenschutz ist Frankreich Entwicklungsland.
Aus meiner Sicht gibt es auch keinen Grund, diese Sturheit weiter zu tolerieren. Es ist ein Unding, dass ein gemeinsames Europa aufgebaut werden soll mit einem Staat, der den zahlreichen Minderheiten auf seinem Staatsgebiet (Elsässer, Niederlothringer, Westflamen, Bretonen, Basken, Roussillon-Katalonen, Nizza-Italiener und Korsen) beharrlich die elementarsten Schutz- und Identitätsrechte verweigert.

Für die ZEG bedeutet das folgendes: Aufbau auf Grund der Sprachgemeinschaften des deutschen und niederländischen Sprachraums. Respektieren der außersprachlichen Zuständigkeiten in Gebieten mit fremdsprachiger Staatshoheit, solang nicht auch sie dem betreffenden Sprachgebiet vollständig verschafft werden können, nach dem Modell der geteilten Souveränität. Eigene Sprachgemeinschaften innerhalb der ZEG für die sprachlichen und kulturellen Zuständigkeiten sowohl für den deutschen als auch den niederländischen Sprachraum, bei den anderen Zuständigkeiten ZEG-Aufbau ähnlich wie die EU, beginnend mit den heutigen Staatsgrenzen, später schrittweises Neugliedern der für diese Angelegenheiten zuständigen Gebietskörperschaften (Bundesländer usw.), bis Deckungsgleichheit mit den von den Sprachgemeinschaften erfassten Gebieten erreicht ist. Innerhalb der Sprachgemeinschaften schrittweiser Übergang von den Bundesländern usw. zu den Mundart-Gemeinschaften.
Falls man sich entschließen sollte, die ZEG auch für andere mitteleuropäische Sprachgemeinschaften wie z.B. die polnische, slowakische, tschechische, ungarische, slowenische, kroatische, baltische (siehe StAGN-Karten) zu öffnen, würden die Umstrukturierungen dort in der selben Weise vor sich gehen.

Michael Frietsch

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Montag, 15. Juli 2013, 09:55

Die Frage ist doch deutschsprachige - oder zentraleuropäische Gemeinschaft?
Beides zusammen wird vermutlich scheitern.
Anmerkung:
Ich verstehe letztlich was Du mit der ZEG meinst, dennoch denke ich das eine gemeinsame Amtssprache unabdingbar für ein Mindestmaß an gemeinschaftlicher Identitätsbildung und Kommunikation ist!
Du siehst doch selbst was momentan in der EU abgeht, bei Problemen ziehen sich alle Beteiligten gern wieder unter dem Mantel der Nationalstaatlichkeit zurück. Mit einer gemeinsamen Sprache aber wäre der erste Schritt zur Einheit bereits recht simpel zu realisieren. Ich will nicht unbedingt die Auflösung der Nationalstaaten propagieren, aber genau das wird vielleicht nötig sein um zumindest in Mitteleuropa weiter zu kommen.
Also DSG oder ZEG? Denken wir in kleineren oder größeren Rahmen?

In der Zielausgestaltung ganz klar beides: ZEG = DSG + (da besteht noch Einigungsbedarf) + Niederländische Sprachgemeinschaft + Westslawische Sprachgemeinschaft (PL+CZ+SK) + Baltische Staaten + (da besteht ebenfalls noch Einigungsbedarf) + H + SLO + HR).

Für alle Bestandteile einer solchen ZEG gilt natürlich die Grundvoraussetzung, dass sie sich nur an der ZEG beteiligen werden, sollen und dürfen, wenn sie es in freier Entscheidung wirklich wollen, wenn ihre Souveränitit und Identität außer den Teilen davon, die sie freiwillig an die Gemeinschaftsebene abgeben, vollständig erhalten bleibt, und natürlich wenn es friedlich durch Abkommen und Verträge geschieht.
Dafür gilt die einfache Grundregel: Auf die Gemeinschaftsebene kommt nur, was die Mitgliedsstaaten bzw. -gemeinschaften einstimmig auf sie übertragen, indem es in den ausdrücklichen Zuständigkeitskatalog im Zentraleuropäischen Grundgesetz (ZEGG) aufgenommen wird. Auch ZEGG-Änderungen sollten nur einstimmig vorgenommen werden können. Nur so lässt sich vermeiden, dass die Mitgliedersouveränität und -identität durch Mehrheitsentscheidungen, sei es auch durch qualifizierte, gegen den Willen einzelner Mitglieder ausgehöhlt wird. Nur wenn das Vertrauen gewährleistet ist, dass das nicht geschehen kann, werden Staaten und Gemeinschaften überhaupt in Erwägung ziehen, sich an der ZEG zu beteiligen. Alles, was nicht im Zuständigkeitskatalog des ZEGG steht, verbleibt in der alleinigen Zuständigkeit der Mitgliedsstaaten und -gemeinschaften.

Diese Grundregeln sollten auch für die einzelnen Sprach- und Staatengemeinschaften, aus denen die ZEG einmal bestehen soll, gelten. Für eine Deutschsprachige Staatengemeinschaft, wie auch immer sie heißen wird, muss(!) das in jedem Fall gelten, denn gerade beim deutschsprachigen Raum sind uns ja die übersteigerten Vorbehalte dagegen, sich überhaupt mit Deutschland in eine Annäherung oder in eine Gemeinschaft zu begeben, die enger gestrickt ist als die EU, aus verschiedenen Foren sattsam bekannt; ich würde bei einigen Staaten außerhalb des deutschen Sprachraums, die für eine ZEG-Mitgliedschaft in Betracht kommen, sogar behaupten, dass es leichter sein dürften, sie in eine ZEG einzubringen als für Staaten des deutschsprachigen Raum, besonders Luxemburg, Österreich und die (deutschsprachige) Schweiz. Genau das war auch der Grund, weshalb ich das Zusammenführen der Staaten und Gemeinschaften des deutschsprachigen Raums zumindest in seinen Anfangszeiten auf die Sprache beschränken wollte, weil das der einzige "unverdächtige" und keinen "Argwohn" hinsichtlich einer erneuten deutschen Dominanz weckende Einstieg ist, der zudem durch den bereits bestehenden Rat für Deutsche Rechtschreibung (RDR) auch international anerkannt ist und keinen Zweifeln oder Anfechtungen unterliegt. Deshalb soll der RDR auch der Ansatzpunkt für das Zusammenführen des deutschen Sprachraums sein, indem zum Einen seine Zuständigkeiten in ganz kleinen Schritten, die von allen Mitgliedsstaaten und -gemeinschaften einstimmig mitgegangen werden und die auch international unangefochten bleiben, zuerst über die Rechtschreibung hinaus auf die Pflege der gesamten deutschen Sprache und später über die Sprachpflege hinaus über eng verwandte Gebiete wie z. B. Kultur und Bildung auf alle Gebiete des öffentlichen Zusammenlebens ausgedehnt werden, soweit es sich einstimmig und ohne internationale Anfechtungen erreichen lässt. Zum Anderen geht es auch darum, alle Staaten und Gemeinschaften des geschlossenen deutschen Sprachraums in den RDR und die Nachfolgeorganisationen, die aus ihm hervorgehen sollen, einzubinden, und zwar unabhängig davon, ob die deutsche Sprache in den betreffenden Gebieten Mehrheits- oder Minderheitsstatus hat. Denn für Minderheitengebiete gilt das Gebot des Sprachschutzes noch viel mehr als für Mehrheitsgebiete. Dabei können wir uns als Legitimation unter anderem auf die Minderheiten- und Regionalsprachen-Schutzabkommen des Europarats stützen, und es wird beim Elsass und Niederlothringen darum gehen, auf die französische Politik dahin einzuwirken, dass sie diesen Gebieten die selbe sprachliche und kulturelle Mindestautonomie zugesteht, die von den Abkommen verlangt wird, auch wenn Frankreich der einzige Staat in Europa ist, der sie noch nicht anerkennt, obwohl wir uns mittlerweile im 21. Jahrhundert befinden.
Die selbe Problematik war auch der Grund dafür, dass ich am Anfang versuchte, selbst für den deutschen Sprachraum das Wort "deutsch" zu vermeiden, weil ich dachte, dass das es einigen Zweiflern mehr erleichtern könnte, sich zu beteiligen. Andererseits denke ich heute, dass dann, wenn wir denn Weg über den RDR gehen, das Wort "deutsch" von den Mitgliedsstaaten und -gemeinschaften und auch international schon akzeptiert ist und es keinen Grund gibt, noch hinter diese Mindestebene zurück zu gehen. Wir können also guten Gewissens eine deutschsprachige Gemeinschaft anstreben, in deren Namen auch das Wort "deutsch" enthalten ist, zumal wenn wir es in der Form von "deutschsprachig" verwenden und so vermeiden, dass das bloße Wort "deutsch" vielleicht doch Argwohn hinsichtlich einer auch staatlichen Dominanz der BRD weckt. Dass wir uns insoweit noch auf einen genauen und "offiziellen" Namen einigen müssen, ist eine nicht vorrangige Nebensache.

Für die Gebiete, in denen eine deutschsprachige Minderheit unter fremdsprachiger Staatshoheit steht (Elsass und Niederlothringen), hatte ich bereits im Ende 2012 veröffentlichten Entwurf eines ZEGG eine Lösung gefunden: Für diese Sprachgebiete und -minderheiten muss sprachliche Autonomie in Anspruch genommen bzw. erreicht werden, z.B. für das Elsass und Niederlothringen eine vergleichbare und verfassungs- bzw. völkerrechtlich abgesicherte Autonomie wie sie für die Deutschsprachige Gemeinschaft in Ost-Belgien und für die autonome Provinz Bozen-Südtirol in Italien bereits besteht. Hinsichtlich aller anderen außersprachlichen Angelegenheiten und Zuständigkeiten müssen die betreffenden Gemeinschaften natürlich von ihrer Bindung an die Grundsätze befreit sein, die im ZEGG für den außersprachlichen Bereich niedergelegt sind, weil sie insoweit halt französischer Staatshoheit und Gesetzesbindung unterstehen; da kommt nur eine "mittelbare" Bindung an das ZEGG in Betracht, indem sie verpflichtet sind, in Übereinstimmung mit den diesbezüglichen Grundsätzen des ZEGG auf die betreffende Gesetzgebung einzuwirken. Entsprechendes gilt natürlich für die deutschen Minderheitsgebiete in Polen und Tschechien, wobei wir insoweit noch einen Klärungs- und Einigungsbedarf dazu haben, ob nur Minderheitsgebiete aufgenommen werden sollen, die sich an der Staatsgrenze direkt an das deutsche Mehrheitssprachgebiet anschließen, oder auch "Minderheiteninseln" mitten im fremdsprachigen Staatsgebiet.

Seit unserer "Sternweg"-Diskussion um den letzten Jahreswechsel herum kommt neben dem Zusammenführen des deutschen Sprachraums auch in Betracht, Bestrebungen zu unterstützen, regionale und zwischenstaatlichen Kooperationen des Raums entstehen zu lassen, der für eine Mitgliedschaft in der späteren ZEG in Betracht kommt, also auch Keimzellen für eine ZEG im außersprachlichen Raum zu fördern, so dass es möglich wird, das Gesamtziel auf mehreren Wegen anzusteuern.
Das wäre nicht nur für Angelegenheiten zu empfehlen, in denen eine Zusammenarbeit zwischen deutschsprachigen und nicht deutschsprachigen Staaten entstehen soll, sondern auch für das Einbinden von Staaten und Gebieten, die mehrheitlich deutschsprachig sind, aber auch beträchtliche nichtdeutschsprachige Gebiete umfassen wie z.B. die Schweiz.

Also, fahren wir fort; es gibt noch sehr sehr viel zu klären und zu tun! :thumbsup:

Michael Frietsch

† verstorben am 12.03.2015

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Montag, 15. Juli 2013, 10:21


Anmerkung:
Ich verstehe letztlich was Du mit der ZEG meinst, dennoch denke ich das eine gemeinsame Amtssprache unabdingbar für ein Mindestmaß an gemeinschaftlicher Identitätsbildung und Kommunikation ist!
Du siehst doch selbst was momentan in der EU abgeht, bei Problemen ziehen sich alle Beteiligten gern wieder unter dem Mantel der Nationalstaatlichkeit zurück. Mit einer gemeinsamen Sprache aber wäre der erste Schritt zur Einheit bereits recht simpel zu realisieren. Ich will nicht unbedingt die Auflösung der Nationalstaaten propagieren, aber genau das wird vielleicht nötig sein um zumindest in Mitteleuropa weiter zu kommen.
Also DSG oder ZEG? Denken wir in kleineren oder größeren Rahmen?

(Fortsetzung des vorigen Beitrags wegen Überschreitens der Zeichengrenze):
Schließlich noch die Frage, ob in der ZEG auf der Gemeinschaftsebene eine gemeinsame Sprache gelten soll: Du hast recht, dass eine gemeinsame Sprache nötig wäre. Nun gibt es zwar in den letzten Jahren durchaus Entwicklungen, dass die deutsche Sprache zumindest im östlichen Mitteleuropa wieder an Bedeutung zu gewinnen scheint. Ob das aber schon reicht, um die vielleicht noch bestehenden Vorbehalte zu entkräften, wage ich zu bezweifeln. Und eine von mir vorgeschlagene neue "denglische" Sprache müsste halt erst entwickelt werden. Das ist zwar, wie man am Letzebürgisch/Luxemburgischen sieht, nicht unmöglich, müsste sich aber unter (wahrscheinlich erheblichem) Zeitbedarf entwickeln und kann nicht einfach verordnet werden bzw. würde möglicherweise von nicht deutschsprachigen Staaten nicht akzeptiert werden. Deshalb wäre es vielleicht empfehlenswert, für die Entwicklungszeit des "Denglischen" oder später vielleicht einmal "Zentraleuropäischen" Deutsch und Englisch nebeneinander zuzulassen, (da "Denglisch" ja sowieso eine deutsch-englische Kombination ist) und im Lauf der Entwicklung der neuen zentraleuropäischen Sprache dann auch Elemente der an der ZEG beteiligen nichtdeutschen Sprachen einfließen zu lassen. Das ist aber, ich gebe es zu, so spekulativ und geht so weit in die Zukunft, dass ich mich noch lange nicht festlegen will. Für die Anfangszeit dürfte es deshalb im Spannungsfeld zwischen dem heutigen Bedarf für eine handhabbare und konkrete Lösung und genau so erforderlichen Zukunftsideen und -visionen eine gute Lösung sein, als Gemeinschaftssprache Deutsch und Englisch vorzusehen, wobei denkbar wäre, dass Deutsch grundsätzlich Gemeinschaftssprache ist und Englisch "Auffangsprache" für die, die Deutsch nicht können oder wollen.

Die Frage, ob beim Aufbau der Sprachgemeinschaften und der ZEG die Nationalstaaten aufgelöst werden müssen, beantwortet sich aus dem Subsidiaritätsgrundsatz, den ich im vorigen Beitrag ausführlich beschrieben habe (Gemeinschaftszuständigkeiten nur für das, was im ZEGG-Katalog steht; alles andere bleibt bei den Mitgliedsstaaten und -gemeinschaften), so dass sich eine langsame Stärkung der Gemeinschaftsebene und eine Reduktion der Staatenebene ergibt, soweit diese dabei mitmacht. Die Staaten haben es also in der Hand, wie stark die Gemeinschaftsebene wird und wie viele Zuständigkeiten sie an diese abgeben. Sowohl die Sprachgemeinschaften als auch die ZEG werden ein Zwischending zwischen einer lockeren Föderation bzw. einem lockeren Staatenbund und einem Bundestaat wie die BRD, Österreich oder die Schweiz sein. In ihrer Organisationsdichte werden sie zwischen der heutigen EU und der durch den ehemaligen EU-Verfassungsentwurf angestrebten bundestaatlichen Union sein.

Unter diesen Voraussetzungen sehe ich keine Schwierigkeiten, sowohl die Sprachgemeinschaften als auch die ZEG insgesamt gleichzeitig aufzubauen.

Michael Frietsch

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Montag, 22. Juli 2013, 10:33

ZWISCHENBILANZ

Die StAGN-Modelle für Mitteleuropa und die anderen europäischen Regionen mischen geografische Einteilungsgesichtspunkte mit angeblich kulturellen, fallen dann aber doch wieder auf die heutigen Staatsgrenzen zurück, die unter grobem Verstoß gegen sprachliche und kulturelle, damit gegen den Demokratiegrundsatz und das Grundrecht auf Muttersprache zustand gekommen sind.
Ein Beispiel sind die Benelux-Staaten: Sie gehören weder geografisch noch sprachlich noch kulturell zum kontinentalen Westeuropa; das zeigt sich am besten am uralten Konflikt zwischen Flamen und Wallonen in Belgien. Wenn man aber die geografische Ostgrenze des kontinentalen Westeuropa am Rhein ziehen wollte, wird die Absurdität noch augenfälliger: Dann würden die Niederlande und Deutschland zerschnitten. Und wenn man daran festhält, die heutigen Staatsgrenzen einzubinden unabhängig davon, ob sie mit den Sprachgrenzen übereinstimmen, würde man die jahrhundertealte reine Machtpolitik, die erst zum Entstehen von Nationalstaaten und zum Festlegen ihrer Grenzen ohne Rücksicht auf gewachsene sprachlich-kulturelle Zusammenhänge führte, nachträglich ein weiteres Mal freisprechen und das Ziel, mit dem das Vorhaben einer Zentraleuropäischen Gemeinschaft in die Wege geleitet wurde, bis in seine Fundamente verraten und pulversieren!

Einzig mögliche Folgerung: Eine politische Gemeinschaft für den deutschsprachigen Raum in Mitteleuropa, ebenso für den niederländischen Sprachraum und für alle anderen Sprachräume in Europa, aber auch in der ganzen Welt als Fundamentalnorm, die weltweit an die Stelle des noch immer vorherrschenden rein machtgebundenen Staatsverständnisses treten muss.
Wenn diese unverhandelbaren, gewissermaßen "naturrechtlichen" Grundlagen gesichert und ausgestaltet sind, spricht nichts dagegen, auch andere Gesichtspunkte mitzuberücksichtigen. Für Mitteleuropa bedeutet das Folgendes:
Eine politische Gemeinschaft für den deutschen Sprachraum, ebenso eine für den mit ihr eng verwandten niederländischen Sprachraum als Keimzelle für eine Zentraleuropäische Gemeinschaft (ZEG). Dieser können aus geografischer und geschichtlicher Verbundenheit auch eine Westslawische Sprachgemeinschaft (Polen, Tschechien, Slowakei) und die baltischen Staaten angehören, wobei man bei letzteren ja in sprachlicher Hinsicht zwischen den eigentlichen baltisch-sprachigen Staaten Litauen und Lettland auf der einen Seite und dem finno-ugrischen Sprachraum zuzuordnenden Estland unterscheiden muss. Vorher müssten die baltischen Staaten aber auch klären, ob sie sich nicht eher dem Nordischen Rat als einer Gemeinschaft der skandinavischen Staaten zuwenden wollen, dies auf Grund starker geschichtlicher Verbindungen und bei Estland auch auf Grund der sprachlichen Verbundenheit mit dem finno-ugrischen Sprachraum (Finnland ist ja zweisprachig finnisch und schwedisch).
Im Süden sind die Zuordnungen noch schwieriger: Slowenien und Kroatien sind ebenso wie Ungarn geschichtlich sehr stark mit Mitteleuropa verbunden (frühere Donaumonarchie), ebenso wirtschaftlich und zumindest Ungarn auch geografisch. Deshalb wäre ich dafür, diese drei auch sprachlich gut abgegrenzten Staaten mit in eine ZEG aufzunehmen; eine Ausnahme von der klaren Abgrenzung bildet die Slowakei, die im Süden eine starke ungarische Minderheit und im Osten die Karpato-Ukrainer hat.

Deshalb komme ich zu folgender Zwischenbilanz: ZEG = Deutschsprachige Gemeinschaft + Niederländische Sprachgemeinschaft + Westslawische Sprachgemeinschaft + baltische Staaten (aber noch unsicher) + Ungarn + Slowenien und Kroatien; das Ganze aber nur, wenn man die teilweise sehr unterschiedlichen Sprachen dieses Gesamtgebiets zusammenführen will -> so genannte "große Lösung" oder (mitteleuropäische) Gesamtlösung.
Eine kleine Lösung wäre eine ZEG nur aus dem deutschsprachigen und dem niederländischsprachigen Raum, was sicher weniger Koordinationsaufwand mit sich brächte. Aber auch die große Lösung halte ich auf Grund der starken geschichtlichen Verbundenheiten für gut vertret- und erreichbar.

Michael Frietsch

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Montag, 22. Juli 2013, 10:39

Meinen vorstehenden Beitrag habe ich geschrieben, während Du Deinen reingestellt hast; er ist also keine Antwort auf diesen - eine solche wird nachfolgen, aber schon beim Überfliegen habe ich festgestellt, dass wir uns bei einem Großteil der bisher noch offenen Fragen geeinigt haben dürften. :thumbsup:

Michael Frietsch

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Dienstag, 23. Juli 2013, 17:34

ZWISCHENBILANZ

Die StAGN-Modelle für Mitteleuropa und die anderen europäischen Regionen mischen geografische Einteilungsgesichtspunkte mit angeblich kulturellen, fallen dann aber doch wieder auf die heutigen Staatsgrenzen zurück...


Die Stagn Entwürfe reichen bis in das 19.Jhd zurück. Vielleicht solltest Du Dir einmal die Lektüre des umstrittenen Herrn Constantin Frantz und seinen politischen Visionen einer Mitteleuropäische Föderation zu Gemüte ziehen! Auszüge siehe http://books.google.de/books?id=YrT5VvWi…d=0CD4Q6AEwAzgK


Das Konzept von Constantin Frantz Hat mich sehr beeindruckt und erfreut, vor allem aus zwei Gründen:
1.
Frantz entwirft auch eine politische Dimension für ein geeintes Mitteleuropa, das nach außen auch einheitlich auftreten, aber im Inneren seinen Mitgliedern weitgehende Selbständigkeit belassen soll - ich habe mich bisher nicht mit Constantin Frantz beschäftigt, aber die Gedanken und Modelle, die er vor entfaltet hat, decken sich fast 1:1 mit unseren Entwürfen für eine Zentraleuropäische Gemeinschaft: Ein gemeinsames Dach, auf das die Mitgliedsstaaten und -gemeinschaften nur so viel übertragen wie sie wollen, während alles andere in ihrer Zuständigkeit verbleibt.
Es hat mich auch sehr gefreut, dass er für ein solches Mitteleuropa, für das er die auch politische Perspektiven entwickelt, nicht nur Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien und die Slowakei, sondern auch das vorgesehen hat, das ich auch gern einbezogen haben möchte: Die Benelux-Staaten, die Schweiz und Ungarn.
2.
Für die innere Organisation eines politisch geeinten Mitteleuropas sieht er genossenschaftliche Organisationsstrukturen vor. Auch ich habe schon lang für die Wirtschaftsordnung genossenschaftliche Strukturen als Ausweg aus dem Dualismus zwischen Kapitalismus und Staatswirtschaft bevorzugt, und heute äußert sich der genossenschaftliche Gedanke außerhalb der Wirtschaft auch in den Grundsätzen der Demokratie und der Subsidiarität. Überall wird heutzutage händeringend nach Auswegen aus diesem Dualismus gesucht, und da hatte Constantin Frantz schon längst die Lösung bereit. Aber die demokratischen, genossenschaftlichen und föderalistischen Kräfte regen sich langsam immer mehr, besonders seit die Finanz- und Schuldenkrise endgültig verdeutlicht hat, was z.B. auch Heiner Geißler über dieses zur Zeit vorherrschende und alles erdrosselnde Wirtschaftssystem sagte: "Das ist pervers". Es kommt vor allem darauf an, zu verdeutlichen, dass man nicht für eine Rückkehr zur Staatswirtschaft und zum Sozialismus sein muss, wenn man unser heutiges finanzkapitalistische System kritisiert und ablehnt.

Was heißt das nun für unser Vorhaben?
Constantin Frantz und der StAGN denken trotz aller vorbeschriebenen, für mich teilweise atemberaubenden Gedanken und Übereinstimmungen noch immer in den durch die Nationalstaaten gezogenen Grenzen. Das Atemberaubende an seinen Konzeptionen sind seine Vorstellungen über ein gemeinsames Dach für die mitteleuropäischen Staaten und wie deren Gemeinschaft unter diesem Dach organisiert sein soll; da finde ich so gut wie keine Unterschiede zu dem, was mir vorschwebt.
Unterschiede bestehen aber da, wo es darum geht, auf welcher Grundlage die Mitgliedsstaaten eines solchen gemeinsamen Dachs stehen und begrenzt werden: Sollen die vorhandenen nationalstaatlichen Grenzen, die, wie wir von Anfang an festgestellt haben, durch Kriege, dynastische und andere machtstaatliche Interessen ohne Rücksicht auf gewachsene sprachliche und kulturelle Zusammenhänge gezogen wurden, übernommen werden, oder soll unter dem gemeinsamen Dach auch eine grundlegende Umgestaltung dadurch stattfinden, dass die Staaten und ihre Länder, Kantone usw. so umgegliedert werden, dass sie künftig mit den jeweiligen Sprach- und Mundartgrenzen übereinstimmen?
Nachdem Du Dein Profilbild auf eine Fünf-Sterne-Flagge umgestellt hast, spricht das dafür, dass Du von den fünf damit gemeinten, real existierenden Nationalstaaten und ihren Grenzen ausgehen und mehr eine, wie Du geschrieben hast, "Central European Union" (CEU) aus diesen fünf Staaten (D, A, CZ, SK, PL) anstrebst.
Dann sollten wir vielleicht unsere Konzeptionen auch mit ihren Etiketten klarer erkennbar auseinander halten: eine CEU oder Frantz' "Vereinigte Staaten von Mitteleuropa" (VSM?) können nicht mit dem Kürzel ZEG (Zentraleuropäische Gemeinschaft) bezeichnet werden. Außerdem wäre dann zu klären, ob und in welcher Weise beide Vorhaben künftig miteinander verzahnt werden können. Vorstellbar wäre für mich aber auch, dass wir uns für das Kaltenbornsche/Frantzsche Konzept auf den Namen ZEG einigen (wobei zwischen Kaltenborn und Frantz noch geklärt werden müsste, ob NL, B, L, CH und H beteiligt sein sollen), die an einer solchen ZEG beteiligten deutschsprachigen und westslawischen Staaten eine hinsichtlich der Sprache noch etwas mehr verdichtete Sondergemeinschaft bilden könnten und diesen Sondergemeinschaften auch Staaten und Gemeinschaften angehören dürfen, die außerhalb des ZEG-Gebiets liegen (z.B. Elsass, Niederlothringen, das deutschsprachige Südtirol), also eine deutschsprachige Gemeinschaft. Weiter wäre zu klären, was mit den deutschsprachigen und anderen Minderheiten innerhalb von ZEG-Mitgliedsstaaen geschehen soll, z.B. Stettin, Ostlausitz, Eger, Reichenberg).
Und wie sieht es mit Liechtenstein aus? :D

Meinerseits habe ich keine Probleme damit, wenn ich weiterhin vorrangig das DSG-Vorhaben verfolge, Du Dich künftig auf das Vorhaben einer CEU/VSM konzentrierst und wir weiter gemeinsam die sich überlappenden Bereiche (vor allem Aufbau des gemeinsamen Dachs) beackern.

Michael Frietsch

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Samstag, 27. Juli 2013, 11:32

Er (Frantz) war auch kein Verfechter der rein dt. Bündnislösung. Was ich persönlich nicht als negativ erachte, welche aber im Gegensatz zu den Ideen der DSG stehen.

In der Form, wie Du die von Dir angestrebte CEU/VSME bisher konzipierst, besteht in der Tat ein Widerspruch, weil sie von den bestehenden Staatsgrenzen ausgeht, die wegen der Umstände ihres Zustandekommens vom ZEG/DSG-Vorhaben ja gerade grundlegend bekämpft werden.
Ein Widerspruch muss sich aber nicht ergeben, wenn man eine ZEG bzw. eine CEU/VSME als eine Föderation von Sprachgemeinschaften aufbaut.
Allerdings wäre in diesem Zusammenhang zu klären, wie es sich zwischen den Vorhaben DSG/ZEG und CEU/VSME hinsichtlich der von uns kürzlich diskutierten Frage des endgültigen Verbleibs der unmittelbar an den geschlossenen deutschen sprachraum anschließenden deutschsprachigen Minderheiten in den Gebieten um Stettin, in der Ostlausitz, um Eger und um Reichenberg verhält.

Auch gehen mir seine Föderalismusvorstellungen in seiner Konsequenz nicht unbedingt weit genug, ......
Inwiefern? Meinst Du das hinsichtlich der Organisationsdichte? Nur das kann ich mir eigentlich auch vorstellen, denn hinsichtlich der Zahl der beteiligten Staaten geht er deutlich über Dein aktuelles CEU/VSME-Konzept hinaus; aus dem von Dir verlinkten Text geht gleich am Anfang hervor, dass er neben D, A, PL, CZ und SK auch NL, B, L, CH und H dabei haben wollte!

Die Fahne mit den 5 Sternen habe ich nicht nur aus Gründen der Anzahl der Nationalstaaten gewählt ;)
Sondern?

Eines muß klar sein, je mehr Länder dem Mitteleuropa, ob aus historischen, wirtschaftlichen, strategischen oder freundschaftlichen Gründen hinzugedichtet werden desto schwieriger wird die Kiste und wir sind vielleicht wieder da angelangt woran eventl. das große Europa scheitern könnte.
Ganz richtig, denn im Vorhaben einer auf die deutsche und niederländische Sprachgemeinschaft gegründeten ZEG ist ja das Grundziel enthalten, die heutigen Nationalstaaten und ihre Grenzen durch Sprachgemeinschaften zu ersetzen(!). An die Stelle eines Europas der Nationalstaaten würde ein Europa der Sprachgemeinschaften treten - das bedeutet, dass zwischen der nationalstaatlichen und künftigen sprachgemeinschaftlichen sowie der europäischen Ebene keine neue Zwischenebene eingezogen werden würde; insoweit muss ich mich darin korrigieren, als ich bisher bei den angestrebten Sprachgemeinschaften zuweilen auch von "Mittelstufen-Föderationen" geschrieben habe. Solche sollen sie nur in der Übergangszeit sein, wenn die Nationalstaaten noch nicht vollständig ersetzt sind.
Infolge dessen kommen für eine über eine Deutschsprachige Gemeinschaft (DSG) hinausgehende ZEG allenfalls noch verwandte Sprachgemeinschaften in Betracht, nämlich das Gebiet der niederländischen Schriftsprache, der lützenburgisch/luxemburgischen Schriftsprache und der friesischen Sprache, bei der es sich nicht um eine Schriftsprache handelt, sondern um eine eigene westgermanische Sprache und nicht um eine deutsche Mundart.
Durch das Zusammenfassen mehrerer nicht miteinander verwandter Sprachgemeinschaften zu einer Föderation würden wir zwischen der nationalstaatlich/sprachgemeinschaftlichen und der europäischen Ebene dauerhaft eine Zwischenebene einziehen und damit in der Tat die selben Probleme herauf beschwören wie beim Zusammenführen so unterschiedlicher Staaten wie in der EU.

P.S.: Noch etwas "forentechnisches": Aus Deinem Themenstrang bezüglich einer CEU/VSME muss die Bezeichnung "ZEG" bzw. "DSG" heraus gestrichen werden, damit hier keine Begriffs- und Zuordnungsverwechslungen zustand kommen. Außerdem muss der Themenstrang aus dem Unterforum "Zentraleuropäische Gemeinschaft (ZEG)" ausgegliedert werden, da es sich nicht um ein "GDS-/ZEGO-offizielles" Konzept handelt (dazu müsstest Du ja, wie bereits erläutert, nicht nur Netzteilnehmer am GDS-Zukunftsforum, sondern auch Vollmitglied von ZEGO und GDS sein (die ZEGO wurde als eine Agentur unter mehreren kürzlich in die GDS eingegliedert).
Deshalb werde ich im Rahmen des GDS-Zukunftsforums ein neues Gastforum für Dein Vorhaben einrichten und Deinen Themenstrang dort hinein verschieben; ich wollte Dir aber vorher Gelegenheit zur Stellungnahme oder zu eigenen Vorschlägen, z.B. dafür, wie das Gastforum benannt werden soll, geben.
Außerdem besteht dann vielleicht die Möglichkeit, Dein CEU/VSME-Vorhaben in die Demokratische Zentrumskoalition (DZK) einzubringen, die bisher aus der GDS und dem Arbeitskreis Zukunftsgestaltung (AKZ) besteht, im GDS-Zukunftsforum ebenfalls ein Gastforum hat und die in Zukunft zu einem Sammelbecken für Kleinparteien und sonstige Organisationen, die sich mit dem politischen und sonstigen öffentlichen Zusammenleben beschäftigen, ausgebaut werden soll.

Michael Frietsch

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10

Donnerstag, 1. August 2013, 10:05

DSG-Karten von Kaltenborn

Herzlichen Dank für die Karten der DSG (Deutschsprachige Gemeinschaft)! 8o

Michael Frietsch

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11

Freitag, 2. August 2013, 09:27

Sind aber ohne Niederlande!
Die sind ja bei der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DSG) auch nicht dabei, sondern sollen zusammen mit ihr die Zentraleuropäische Gemeinschaft (ZEG) bilden. Aber wenn Dir's grad mal langweilig werden sollte :D , kannst Du ja eine solche Karte für die Gesamt-ZEG erstellen - ist aber nicht nötig, denn es gibt ja von Dir aus früheren Zeiten schon mehrere Karten mit der Gesamt-ZEG (DSG + NL/VL + L + Friesische Sprachgebiete + nicht westgermanische Minderheitensprachengebiete).

Zu Deiner CEU / VSME hätte ich noch eine Frage: Wie behandelst Du auf polnischem und tschechischem Gebiet die deutschsprachigen Rest-Minderheiten?

Nochmal zur Forentechnik: Ich beabsichtige, folgendes Gast-Forum neben dem GDS- und dem ZEGO-Forum einzurichten (weil es sich, wie beschrieben, beim Unterforum "Sprach- und Zentraleuropapolitik" um ein Unterforum zur GDS-Politik handelt): "Gast-Forum Kaltenborn" oder "Gast-Forum Zentraleuropapolitik" oder "Kaltenborn-Forum" mit dem Untertitel "Geeintes Mitteleuropa" oder dergleichen. Welches würde Dir am besten gefallen, bzw. welche eigenen Bezeichnungsvorschläge hättest Du gern berücksichtigt?
In dieses Gast-Forum werde ich dann Deinen Themenstrang "Geeintes Mitteleuropa" verschieben; die Bezeichnungen ZEG und DSG müssten aber heraus genommen werden.

Michael Frietsch

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12

Freitag, 2. August 2013, 19:03

Genau das Niedeländische Sprachgebiet könnte dann eventl. innerhalb der ZEG Berücksichtigung finden.
Die Karte mache ich noch fertig, keine Angst!
.....

Setz' Dich nicht unnötig unter Druck; ich habe von Dir schon mehrere Karten vom deutschen und niederländischen Sprachraum, die als Grundlage ausreichen - nach dem Bereinigen der ZEG-Foren werde ich mich in der nächsten Zeit sowieso auf das Überarbeiten und Wiederveröffentlichen des Entwurfs für ein Zentraleuropäisches Grundgesetz (ZEGG) konzentrieren.

Die Berücksichtigung der wenigen noch verbliebenen deutschsprachigen Minderheiten in Tschechien würde ich auf die Gebiete Rumburg, südl. Erzgebirge, Eger, Böhmerwald und in Polen lediglich auf Swinemünde, Stettin, Ostlausitz bis zum Bober-Queis begrenzen. Minderheiten tief innerhalb der Nachbarstaaten sind meiner Meinung nach nicht weiter zu fördern (es sei den diese ziehen in die vorher benannten Gebiete um).

Geht schon klar; in die ZEG kommen nur die deutschsprachigen Minderheitsgebiete, die sich direkt an den geschlossenen deutschen Sprachraum anschließen; die übrigen Gebiete, die als Enklaven in fremden Sprachgebieten liegen, sind durch die Europarat-Abkommen für Minderheiten und Regionalsprachen geschützt, auch wenn das natürlich im Ausnahmefall Frankreich für Elsass und Niederlothringen noch nicht gilt und dort erst erkämpft werden muss.

.....Wir sollten der Vereinfachung wegen alles Zukünftige in DSB(DSG) und ZEG(CEU) trennen und dann isses wieder übersichtlicher.

Sehe ich auch so: Einstiegsschritt ist die DSG, der nächste Schritt ist die ZEG aus DSG + NL/VL + Lützeburg/Letzebürg + Friesischen Rückzugsgebieten als gemeinsames Dach für die kontinentalen westgermanischen Sprachen. Diese ZEG soll aber einerseits nicht den westslawischen Sprachraum (PL + CZ + SK) umfassen, sich aber andererseits über die West- und Südgrenze Deiner CEU hinaus erstrecken (NL/VL, DGBelgien, L, Niederlothringen, Elsass, deutschsprachige Schweiz, Liechtenstein, nördl. Südtirol); insoweit unterscheiden sich meine/"unsere" ZEG und Deine CEU deutlich voneinander und müssen - ebenfalls aus Gründen der Klarheit und Einfachheit - getrennt behandelt werden, solang sich für sie kein Vereinigungskonzept ergibt.
In diese Richtung könnte ich mir schon vorstellen, dass man die ZEG nicht auf den deutsch-niederländisch-lützeburgischen Sprachraum beschränkt, sondern den westslawischen Sprachraum dazu nimmt, dann aber auch mindestens Ungarn, wobei es da wieder erheblichen Koordinationsbedarf wegen der starken ungarischen Minderheiten in der südlichen Slowakei und in der Woiwodina (Nordserbien) gäbe. Deshalb sollten wir uns beide noch einmal gründlich überlegen, ob ein Vereinigungskonzept angestrebt werden und, wenn ja, welchen Gesamtumfang und welche Koordinationsstrukturen es haben soll. Falls bzw. solang das nicht angestrebt bzw. erreicht ist, sollten ZEG und CEU getrennt geführt werden. ;)

Michael Frietsch

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Sonntag, 4. August 2013, 12:05

Genau, wobei ich eben mit der DSG -> DSB alle deutschsprachigen (auch die Minderheitenregionen) Gebiete (auch Luxemburg) einbeziehen würde und die ZEG halt als Zentraleuropäisches Konzept auch die anderssprachigen Staaten miteinbeziehen würde!

Nein bitte eben nicht trennen! Habe ich doch die ZEG lediglich ins englische übersetzt und dasselbe gemeint, da ich der Meinung bin das allein die DSG/DSB sich um die Belange und die Vereinigung des deutschen Sprachraumes bemühen sollte und nicht die ZEG, welche ja ihrem Namen nach sich auf ganz Zentraleuropa erstrecken sollte!!!
Damit hätten wir dann auch endlich das Namensparadoxon gelöst! Siehe nochmal ersten Artikel!


CEU ist aber nicht die englische Übersetzung für ZEG; das müsste heißen: Central European COMMUNITIY oder FEDERATION oder "Community of Central European States" bzw. "Federation of Central European States" oder "Federated States auf Central Europe", jedenfalls aber nicht "Union".

"Gemeinschaft" ist halt mehr ein Staatenbund, so wie z.B. der Deutsche Bund von 1815 - 1866, Union aber mehr ein Bundesstaat, so wie z.B. die Bundesrepublik Deutschland, die Republik Österreich oder die Schweizerische Eidgenossenschaft. Die bisherige Form einer angestrebten ZEG (deutscher, niederländischer und lützeburgischer Sprachraum) ist so etwas wie ein Zwischending zwischen einem Staatenbund und einem Bundesstaat - so wie in ihrer derzeitigen Form auch die EU.

Die bisherige ZEG-Konzeption bezog sich auf den kontinentalen westgermanischen Sprachraum (deutsch, niederländisch, lützeburgisch und friesisch), also auf Sprachausprägungen mit gemeinsamem Ursprung und daher enger sprachlicher Verwandtschaft. Dann von nichtgermanischen Sprachminderheiten abgesehen auch definitiv nicht verwandte Sprachgemeinschaften mit aufzunehmen wie z.B. den westslawischen Sprachraum wäre qualitativ etwas ganz anderes, obwohl ich im Grundsatz auch dagegen nichts einzuwenden hätte.
Das würde aber dazu führen, dass wir zwischen der gesamteuropäischen Ebene der EU und der heutigen nationalstaatlichen Ebene doch wieder eine Zwischenebene einziehen würden, denn mit dem ZEG-Vorhaben waren wir angetreten, aus dem Europa der Vaterländer ein Europa der Sprachgemeinschaften zu machen, d.h., die heutigen Nationalstaaten sollen schrittweise durch sprachgemeinschaftlich organisierte Staaten ersetzt werden, ihre Bundesländer und sonstigen Unterteilungen durch Länder, die nach den Mundart-Gemeinschaften aufgebaut und begrenzt sind. Also soll nur die Mitgliedsstaaten-Ebene unterhalb der EU umgewandelt werden und eine andere Form und Bezeichnung bekommen.
Streng genommen wäre in diesem Konzept schon die ZEG aus dem deutschen, niederländischen und lützeburgischen Sprachraum eine Zwischenebene, was sich aber noch dadurch rechtfertigen ließe, dass alle drei Sprachgebiete einen gemeinsamen Ursprung haben und sprachlich eng miteinander verwandt sind. Ähnlich wäre es z.B. mit dem westslawischen Sprachraum, der aus den ebenfalls eng miteinander verwandten polnischen, tschechischen und slowakischen Sprachgebieten besteht.
Sobald wir aber über diese enge sprachliche Verwandtschaft hinaus gehen, wäre es unwiderlegbar eine Zwischenebene, denn im Grundkonzept würde die EU langfristig aus deutschsprachigen Raum (DSG), aus dem niederländischen Sprachraum, aus dem polnischen, dem tschechischen, dem französischen Sprachraum usw. bestehen. Ich will jetzt gar nicht daran erinnern, dass solche Formen von "Sonder-" oder "Zwischengemeinschaften" aus eng miteinander verwandten Sprachgebieten in der EU zur Zeit nicht zulässig sind, denn schon die Konzeption einer DSG schließt ja auch die deutschsprachige Schweiz ein, die ja bekanntlich kein EU-Mitglied ist. In diesem Zusammenhang bin ich mir, ehrlich gesagt/geschrieben, noch nicht schlüssig, ob auch eine Gesamtumwandlung der EU in ein gemeinsames Dach aus einzelnen Regionalgemeinschaften wie Deiner bisherigen CEU angestrebt werden soll. Dadurch würden wir neben der sprachlichen auch noch die geografische Ebene einbeziehen, was natürlich erheblichen zusätzlichen Koordinationsbedarf mit sich bringen würde. Auch weiß ich nicht, ob z.B. die westslawischen Sprachen nicht lieber eine engere Verbindung mit den ost- und südslawischen Sprachgebieten bevorzugen würden, obwohl ich mir vorstellen kann, dass sie eher mit dem westgermanischen Raum zusammenarbeiten würden, auch wenn zu diesem keine sprachliche Verwandtschaft besteht - mit dem ostslawischen Raum haben sie nämlich in der Geschichte genau so schlechte Erfahrungen gemacht wie mit unserem, und mit dem südslawischen Raum (Slowenien, Kroatien, Serbien und Bulgarien) haben sie keine nennenswerten geschichtlichen Beziehungen.
Also, Du siehst, es gibt noch eine Menge Klärungsbedarf! Im Zuge dessen müssen wir uns auch darüber klar sein, dass die Zentraleuropa-Konzeption von Frantz und anderen allesamt aus einer Zeit stammen, in der es noch keine gesamteuropäisch ausgerichtete EWG-/EG-/EU-Ebene gab. Umgekehrt sind in der EU ja spätestens seit der Finanzkrise unverkennbare Regionalisierungsentwicklungen zu beobachten.

Vielleicht sollte man auch gestaffelte Strukturen einbeziehen. Neben der EU gibt es ja z.B. auch den viel weiter ausgreifenden Europarat oder den EWR (Europäischer Wirtschaftsraum), der gewissermaßen ein gemeinsames Dach der EU-Staaten und der EFTA-Staaten darstellt, die der EU noch nicht beigetreten sind (Schweiz, Norwegen, Island). Oder man könnte in einer das geografische Mitteleuropa umfassenden ZEG (dann aber zwangsläufig auch mit Ungarn) eine Union errichten, der die Staaten angehören, die noch enger zusammenrücken wollen und z.B. eine Art Verfassungsunion mit gemeinsamer bundestaatlicher Verfassung; das wäre dann eher so etwas wie Deine bisherige CEU-Konzeption.

Michael Frietsch

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Dienstag, 6. August 2013, 23:13

Um das Ganze etwas abzukürzen:

Geografische Gesichtspunkte sind für mich in politischer Hinsicht keine Argumente; sonst könnten wir z.B. gleich auf Südtirol verzichten, und das kommt, mit Verlaub, auf keinen Fall in Betracht. Die USA beziehen sich ja auch auf Amerika, bilden es aber nicht allein, sondern alle anderen Staaten auf dem amerikanischen Doppelkontinent sind genau so Amerika wie die USA. Andererseits gehören Hawaii, Ost-Samoa und Guam den USA an, ohne geografisch zu Amerika zu gehören, und der EU gehören große Teile Europas nicht an. Ein anderes Beispiel: Dem Europarat gehören auch eine ganze Reihe asiatischer Staaten an.

Aber ich räume andererseits auch ein, dass die Bezeichnungen ZEG für eine sich auf den DSG-NL/VL-L-Sprachraum beschränkende Staatenverbindung im westlichen Zentraleuropa vielleicht etwas zu weit gegriffen ist. Unter dem Vorbehalt, dass es in Bezug auf die EU unbedenklich wäre, käme auch für mich das Einziehen einer Zwischenebene zwischen den Sprachgemeinschaften, die die Nationalstaaten ersetzen sollen, und der EU-Ebene in Betracht; hierzu könnte man z.B. daran denken, die in der EU bereits bestehende Möglichkeit einer verstärkten Zusammenarbeit eines Teils der Mitgliedsstaaten auszudehnen und dann eben generell Zwischenebenen oder Sondergemeinschaften zuzulassen.

Und natürlich müssen wir bei den heutigen Staatenverhältnissen beginnen; das war doch von Anfang an klar! Wenn wir aber nicht mehr darauf ausgehen, diese Staaten und Grenzen schrittweise in ein Europa der Sprach- und Mundart-Gemeinschaften umzuwandeln, verzichten wir auf den eigentlichen Grund des Vorhabens einer ZEG, nämlich die durch Kriege und Machtinteressen zustand gekommenen Grenzen zu beseitigen und stattdessen das Grundrecht auf Muttersprache und auf demokratische Selbstbestimmung aller Teile eines Sprachraums wiederherzustellen.

Folgende Kompromissmöglichkeiten zeichnen sich derzeit für mich ab:
1. Das als Verbund von DSG+NL/VL+L gedachte Vorhaben einer ZEG bekommt einen anderen Namen
2. Im Rahmen des ZEG-Vorhabens wird die Möglichkeit angestrebt, im Rahmen der EU auch Sondergemeinschaften zu errichten und gleichzeitig die Möglichkeit zu eröffnen, dass ihnen auch Staaten und Gebiete angehören können, die nicht gleichzeitig EU-Mitglieder sind (Schweiz und Liechtenstein)
3. Wir führen unsere Vorhaben zunächst getrennt weiter und arbeiten darauf hin, eine Verflechtungsmöglichkeit zu entwickeln (vielleicht indem in Deiner CEU die Möglichkeit eröffnet wird, Sondergemeinschaften zu bilden (D+A), denen auch Staaten und Gebiete angehören dürfen, die keine CEU-Mitglieder sind (DG-Ostbelgien, L, Elsass, Niederlothringen, Schweiz, FL, Südtirol)
4. Wir einigen uns auf die Bezeichnung ZEG, beginnen mit Deinem "Fünfstaatenmodell", also den bestehenden Nationalstaaten und Grenzen, arbeiten aber, wie schon in meiner bisherigen ZEG-Konzeption, darauf hin, diese nationalstaatlichen Strukturen schrittweise in sprachgemeinschaftliche umzuwandeln, so dass wir als Ziel eine ZEG aus der DSG, aus dem NL/VL-Sprachgebiet, aus dem L-Sprachgebiet sowie aus den Sprachgebieten von PL, CZ und SK haben, der auch andere Staaten/Sprachgemeinschaften beitreten können, auch wenn sie geografisch nicht Zentraleuropa angehören.

Es gibt ja keinen Zwang zur Einigung; soweit wir uns (noch) nicht einigen können, verfolgen wir unsere Konzepte getrennt und arbeiten darauf hin, den Einigungskatalog bzw. die gemeinsamen Schnittmengen in kleinen Schritten zu vergrößern, soweit jeweils eine zusätzliche Einigung in Einzel- oder Teilfragen erreicht werden kann.

Michael Frietsch

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Donnerstag, 8. August 2013, 18:45

Wieso hast Du denn jetzt Polen und die Slowakei heraus genommen? Ich glaube, dass es nach gegenwärtigem Stand leichter wäre, die beiden Länder in einen mitteleuropäischen Staatenbund zu bringen als bei Tschechien.

Michael Frietsch

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Freitag, 9. August 2013, 23:54


Mit Zeman haben die Tschechen sicherlich einen in Versöhnungsfragen recht ungeschickt agierenden Präsidenten. Dennoch wurde mit der Deutsch-Tschechischen Erklärung von 1997 (siehe auch: Wiesbadener Abkommen) ein größerer Schritt gegangen als mit Polen! Hier der betreffende Punkt:
"Die tschechische Seite bedauert, daß durch die nach dem Kriegsende erfolgte Vertreibung sowie zwangsweise Aussiedlung der Sudetendeutschen aus der damaligen Tschechoslowakei, die Enteignung und Ausbürgerung unschuldigen Menschen viel Leid und Unrecht zugefügt wurde, und dies auch angesichts des kollektiven Charakters der Schuldzuweisung. Sie bedauert insbesondere die Exzesse, die im Widerspruch zu elementaren humanitären Grundsätzen und auch den damals geltenden rechtlichen Normen gestanden haben, und bedauert darüber hinaus, daß es aufgrund des Gesetzes Nr. 115 vom 8. Mai 1946 ermöglicht wurde, diese Exzesse als nicht widerrechtlich anzusehen, und daß infolge dessen diese Taten nicht bestraft wurden."
Desweiteren dürften die Tschechen der deutschen Sprache, Aufgrund des jahrhundertelangen Zusammenlebens in einem Bündnis, vielleicht etwas aufgeschlossener gegenüberstehen?!
Mit Polen und der Slowakei müssten wir uns bereits um eine neue Hauptsprache bemühen.

Polen muss man zugute halten, dass es für die deutschsprachigen Restminderheiten einen den europäischen Abkommen über den Schutz von Minderheiten und Regionalsprachen entsprechenden Minderheitenschutz eingeführt hat. Es ist richtig, dass in Tschechien in den letzten Jahren im Hinblick auf die Vertreibungen einiges in Bewegung gekommen ist, aber bevor wir das Land hinsichtlich eines Beitritts zu einer ZEG gegenüber Polen und der Slowakei bevorzugen, müsste geklärt werden, ob es tatsächlich einer deutschen Verkehrssprache für eine ZEG zugeneigter ist als die Polen.

Michael Frietsch

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Samstag, 10. August 2013, 00:26

Wir können doch ganz einfach nur die ZEG in Stufen unterteilen? Mein Wunsch ist es aus Gründen des "Zentralen" Gedanken wegen, wenigstens einen slawischsprachigen Staat mithinzuzunehmen! Das sieht im übrigen auch die Österreichische Politik vor, welche sich kein rein dt. Bündnis wünscht! Dann könnten wir oder ich das Stagn Model fallen lassen und (weil Du so ein harter Knochen) die Niederlande und Luxemburg mitreinnehmen! Die dt. Schweiz, das Elsass, Lothringen, Eupen-St.Vith, Südtirol und die östlichen Minderheitengebiete behandeln wir dann getrennt in zwei unterschiedlichen Karten?! Siehe bitte auch wieder Beitrag Nr. 1 !!!

Die verschiedenen Stufen könnten darin bestehen, dass man innerhalb einer ZEG Sondergemeinschaften zulässt, denen auch Staaten und Gebiete angehören können, die keine ZEG-Mitglieder sind.

So könnten dann Sondergemeinschaften, denen jeweils nur ein Teil der ZEG-Staaten und -Körperschaften angehört, für den deutschen Sprachraum (unsere gute alte DSG), für den niederländischen Sprachraum (NL+VL) und für den westslawischen Sprachraum (PL+CZ+SK) gebildet werden, deren Zuständigkeiten sich auf die jeweilige Sprachpflege erstreckt, während in den außersprachlichen Zuständigkeiten Entwicklungslinien verfolgt werden können, die sich auf das Gesamtgebiet der ZEG erstrecken, z.B. auch das Mitberücksichtigen österreichischer Wünsche hinsichtlich der Beteiligung eines slawisch-sprachigen Staats (dann aber wohl auch Ungarn, das Österreich aus geschichtlichen Gründen noch näher steht als z.B. CZ oder SK) oder die sich entwickelnden vor allem wirtschaftlichen Verdichtungen zwischen NRW und den Benelux-Staaten.

Soweit die Sondergemeinschaften sich anfangs auch auf Gebiete außerhalb des ZEG-Gesamtgebiets erstrecken, sollten diese Gebiete im weiteren Verlauf auch der ZEG beitreten können.

Sprachenregelung: Im DSG-Raum natürlich deutsch, ansonsten deutsch und englisch, gleichzeitig sollte sich die ZEG um das behutsame Entwickeln einer zentraleuropäischen Sprache bemühen, die von Deutsch ausgeht, aber nach und nach Elemente der anglisierten Jugendsprache sowie aller nichtdeutschsprachigen Sprachen aufnimmt und die sehr langfristig dann deutsch und Englisch ersetzt (in den einzelnen Mitgliedsstaaten und -gebieten bleibt natürlich die jeweilige Landessprache Amtssprache, soweit es nicht um Gemeinschaftsangelegenheiten geht.

Hauptstadt/-städte: Zentrale Hauptstadt, wenn ja welche? Oder Verteilen der Gemeinschaftsfunktionen auf mehrere Städte? - in beiden Fällen aber nicht auf Städte, bei denen es sich um die Hauptstadt eines ZEG-Staats oder -Gebiets handelt.

Michael Frietsch

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Donnerstag, 15. August 2013, 23:12

In Tschechien ist die Anzahl der verbliebenen Deutschen bzw. dtspr. Tschechen mit ~30000 sicherlich etwas geringer als in Polen, sodaß solch ein Abkommen wohl wenig Sinn machen würde. Ausserdem setzt seit einigen Jahren ein Prozeß der Selbstreflektion in puncto eigene Verantwortung ein, welche sich auch in ersten filmischen Versuchen der Aufarbeitung und eben die Bereitschaft deutsch zu erlernen wiederspiegelt. Ersteres ist meines Wissens in Polen heute noch undenkbar.
Was nicht heissen soll das ein Bündnis mit Polen und der Slowakei zu einem späteren Zeitpunkt nicht ebenfalls möglich wäre, dann aber sicherlich nur mit einer anderen gemeinsamen Sprache im Gepäck!

Warum soll Tschechien mit weniger verbliebenen Deutschen als Polen zuerst CEU-Mitglied werden? Ob die Tschechen der deutschen Sprache und einer gemeinsamen Mitgliedschaft in einer Zentraleuropäischen Union (ZEU; englisch: "central european union" ("union" übersetzt sich auf "Union" und "Gemeinschaft" auf "community") mehr zugeneigt sind als die Polen, wage ich nicht zu beurteilen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass die ZEU-Kompatibilität bei der Slowakei und Ungarn größer sein könnte als bei Tschechien. Man sollte deshalb vielleicht für alle in Betracht kommenden Staaten eine Beitrittsmöglichkeit auf gleichem Niveau schaffen, aber keinen von ihnen irgendwie bevorzugen. Das bedeutet, dass die Beitrittsmöglichkeiten abstrakt und für alle gleich ausformuliert werden müssen.


Als erste gemeinsame Amtssprache, wenn vermittelbar, deutsch. Alle weiteren Sprachen (auch die regionalen in D selbst) werden selbstverständlich in den betreffenden Gebieten/Ländern weitergeführt.

Klar, geht soweit in Ordnung; aber was, wenn deutsch als Gemeinschaftssprache nicht vermittelbar ist?


Als gemeinsame Hauptstadt wäre Cheb (Eger) bestimmt eine annehmbare Wahl.

Gute Idee, aber nur, wenn alle in Betracht kommenden Mitgliedsstaaten dabei sind.
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Um die bisherigen Verwerfungen zwischen Deinem CEU-/ZEU-Modell und meinem ZEG-Modell zu bewältigen, wäre es auch sinnvoll, zu klären,
1. welche Zuständigkeitsverteilungen in Deiner CEU/ZEU zwischen der Unions- und der Staatenebene bestehen sollen,
2. welche Rolle in Deiner Union die Sprachgrenzen und -Gemeinschaften spielen sollen,
3. in welcher Beziehung zu Deiner Union Gebiete stehen sollen, die außerhalb der Außengrenzen der Mitgliedsstaaten liegen, aber mit einem oder mehreren von ihnen durch eine gemeinsame Sprache verbunden sind,
4. ob auch in Deiner Union ein schrittweises Umwandeln der Mitgliedsstaaten und ihrer Grenzen in Sprachgemeinschaften und den daraus resultierenden Grenzen zwischen ihnen vorgesehen ist bzw. angestrebt werden soll,
5. welche "Staatsfundamentalnormen" in Deiner Union sowohl für diese als auch für die Mitgliedsstaaten gelten sollen (z.B. Grundrechtsgeltung, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Bundesstaatlichkeit u. dgl.).

Meinerseits müsste noch geklärt werden, ob mein ZEG-Modell über den deutsch-niederländisch-lützeburgischen Sprachraum, für den es entwickelt wurde und für den ich mich im "politik-forum.at" schon sehr weit aus dem Fenster gelehnt habe, hinaus entwickelt werden und welche Rolle seine bisherige Form in einer möglicherweise auf den gesamten mitteleuropäischen Raum erweiterten Gemeinschaft oder auch Union spielen soll.

Michael Frietsch

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Freitag, 16. August 2013, 18:16


Es kam selbst bei der Ausarbeitung der EU Beitrittsverträge 2004 nie zu einer Art Verbrüderung zwischen Polen, Tschechen, und Slowaken, was u.a. auch die Möglichkeit eröffnet zuerst mit einem slawischspr. Land zu beginnen um die Risiken bei der Etablierung der Deutschen Sprache so gering wie möglich zu halten! In Prag kam es übrigens zur ersten dt. Universitätsgründung und es war auch eine zeitlang der Sitz des Kaisers im HRR. Die Verflechtungen mit Deutschland aber auch Österreich dürften hier Aufgrund der langen gemeinsamen ~800 jährigen Geschichte und seiner geografischen Lage zu den dtspr. Staaten immer noch enger sein als bei den anderen Nachbarn.

Eine gemeinsame Geschichte mit Deutschland begann sowohl für Tschechen und Slowaken, Polen und Ungarn, als die deutsche Ostkolonisation in Gang kam; da gibt's keinen zeitlichen Unterschied. Aber wenn Du einerseits unter der Vorgabe, eine sich auf ganz Mitteleuropa erstreckende ZEU (nicht ZEG!), die sich über den deutsch-niederländisch-lützeburgischen Sprachraum hinaus erstreckt, anstrebst und die Aufnahme auch slawisch-sprachiger Staaten, die geografisch zu Mitteleuropa gehören, befürwortest, dann aber andere geografisch mitteleuropäische slawisch-sprachige Staaten und auch Ungarn ausschließt und sie allenfalls später beitreten lassen willst, widerspricht sich das in meinen Augen, um so mehr, als Du mit Deinen aktuellen Karten am Kopf des Themenstrangs Teile des deutschen und niederländischen Sprachraums ausschließt; das, was Du auf diesen Karten als Zentraleuropäische Gemeinschaft bezeichnest, ist nicht das, wofür ich im Unterforum "Zentraleuropäische Gemeinschaft" und in anderen Politikforen außerhalb des GDS-Zukunftsforums werbe - wir sollten uns deshalb über getrennte Bezeichnungen verständigen, solang wir kein deckungsgleiches Konzept haben. Ich habe z.B., wie Du weißt, im österreichischen Politikforum lang und heftig darum gekämpft, dass derzeit anscheinend auch die schärfsten Gegner begriffen zu haben scheinen, um was es beim ZEG-Vorhaben geht. Wenn die spitzkriegen sollten, dass Du auch über eine ZEG nachdenkst, wird das Geschrei sofort wieder losgehen, dass ich ja doch etwas anderes wolle als ich im dortigen Forum beschreibe, und das möchte ich mir eigentlich gern ersparen.

Natürlich weiß ich, dass es auch Dir darum geht, ein gemeinsames Konzept für eine ZEG zu entwickeln, aber Du hast inzwischen sicher auch festgestellt, dass wir ein solches Konzept zur Zeit nicht haben. Solang das aber so ist, muss es unter dem ZEG-Etikett beim ursprünglichen und von mir nach wie vor vertretenen Konzept einer ZEG aus den vollständigen deutschen, niederländischen und lützeburgischen Sprachräumen bleiben; darüber waren wir uns doch, wenn ich mich recht erinnere, schon mal über längere Zeit hinweg einig. Und selbstverständlich ist es Dein gutes Recht, Deine Meinung zu ändern - auch ich habe ja schon im ersten ZEGG-Entwurf die Weichen für das Erweitern über die genannten Sprachräumen hinaus gestellt und rede/schreibe seit Deinem CEU/ZEU-Konzept eher dafür, auch Ungarn, Slowenien, Kroatien und das Baltikum aufzunehmen, aber wo es um die Gesamtheit des deutschen Sprachraums geht, ist bei mir die rote Linie, die nicht überschritten werden darf. Über alles andere kann verhandelt werden, aber nicht darüber!

Michael Frietsch

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Freitag, 16. August 2013, 18:26


Gute Idee, aber nur, wenn alle in Betracht kommenden Mitgliedsstaaten dabei sind.

Warum nur dann?? Eger liegt doch selbst bei dem "kleinen" Bündnis recht zentral!

Na, also diese Kröte könnte und würde ich schlucken, wenn es uns gelingen sollte, ein gemeinsames Zentraleuropa-Konzept zu entwickeln.